“Wenn du den Job machen willst, musst du einen kleinen Schlag haben” – Technik am Theater

A/J: Dann fangen wir erstmal ganz einfach an. Wer bist du, dein Name, deine Abteilung und ein Funfact über dich.

G: Also Name: Georg Ochsenbauer. Wie das Tier und der Landwirt, nicht mit x bitte, das wird oft verwechselt. Ich bin offiziell angestellt worden als Leiter der Beleuchtungsabteilung, bin mittlerweile zusammen mit Christoph Dirmhirn der Technische Leiter hier am Haus und betreue natürlich auch die Video- und Ton-Abteilung. Und nebenbei mache ich auch die ganzen Hausmeisterarbeiten, die so anfallen. Sprich, Heizung, Lüftung, Sanitäranlagen und versuche da die Handwerker zu koordinieren. Und ein Funfact ist, dass es eigentlich reiner Zufall war, dass ich hier in das Theater reingerutscht bin. Das habe ich dem damaligen Intendanten Peter Nüesch zu verdanken, der bei mir im Studio war und gesagt hat: “Du machst doch auch Live-Ton, steht auf deiner Visitenkarte. Willst du nicht mal bei uns arbeiten?”. Und dann habe ich die erste Geschichte hier am Theater gemacht, das war das Musical “Cabaret” 2005, und mein Vorgänger, damals der Herr Oswald, hat mich gefragt, ob ich denn nicht sein Nachfolger werden will, da er bald in Rente geht. Im Endeffekt ist es dann erst 2014 so weit gekommen. Ich habe also neun Jahre warten müssen, bis ich sein Nachfolger werden durfte.

A/J: Das ist ja interessant. Da hast du direkt auch schon eine unserer Fragen beantwortet, nämlich wie du zum Theater gekommen bist. Dann fragen wir dich dazu auch gleich, wie lange du jetzt im Endeffekt schon hier bist?

G: Also 2005 habe ich meinen ersten freiberuflichen Job hier gemacht und war dann bis Mitte 2014 hier freiberuflich und stückbezogen tätig. Sprich, ich bin dann eben dafür gebucht worden. Dann war da leider die Tatsache, dass mein Vorgänger krankheitsbedingt einmal ein dreiviertel Jahr und einmal ein halbes Jahr ausgefallen ist und ich dann praktisch ad hoc übernommen habe. Nebenbei habe ich da meine Meisterausbildung zum Beleuchtungsmeister gemacht. Und als der Herr Oswald dann in Rente gegangen ist, habe ich August / September 2014 das Angebot bekommen, den Job hier fest zu übernehmen. Damals noch alleine. Und dann haben wir auch das ganze Thema vorangetrieben mit Ausbildung und so weiter, weil das war vorher überhaupt nicht der Fall, dass wir Veranstaltungstechniker ausbilden. Und das Ergebnis sitzt an meiner Seite in der Technischen Leitung mittlerweile: der Christoph. Er war mein Lehrling und ist mittlerweile auch Meister und eben Technischer Leiter.

A/J: Cool. Unsere nächste Frage ist, was deine konkreten Aufgaben im Theater sind und was du hier den ganzen Tag so machst.

G: Meine Aufgaben sind an sich alles was für den Bereich Licht, Ton und Video für die Veranstaltungen und Proben wichtig ist; dass das alles koordiniert, aufgebaut und auch entwickelt wird – wir bauen ja teilweise Sonderlösungen, die es nicht zu kaufen gibt, um eben die Wünsche und Forderungen der Ausstatter bzw. Regisseure so umzusetzen, dass es dann auch vernünftig funktioniert. Und ansonsten bin ich auch für das Haus zuständig. Falls irgendwann einmal eine Lampe ausbrennt oder irgendwo die Heizung nicht geht. Das habe ich leider von meinem Vorgänger übernommen. Und da wir im Theater keinen richtigen Hausmeister haben, sind mir diese Aufgaben auch noch geblieben. Im Zuge des anstehenden Umbaus bin ich natürlich auch mit involviert in die Gespräche, in die Bauplanung usw., wie das Ganze funktionieren und vernünftig ablaufen kann.

A/J: Also sehr vielseitig.

G: Ja, es wird nie langweilig.

A/J: Das ist gut. In der ganzen Zeit, in der du hier am Theater warst, was war deine Lieblingsproduktion bis jetzt und warum?

G: Meine Lieblingsproduktion war “Das Dschungelbuch” als Musical. Das war erstens sehr aufwändig, es wurde also wirklich viel geboten, es war eine tolle Besetzung und die Melodien sind auch einfach toll. Das schönste Erlebnis damit war, dass ich einmal nach der Vorstellung raus gegangen bin auf den Parkplatz und dann sind mir dort drei ältere Damen eingehakt entgegen gekommen und haben “Probier`s mal mit Gemütlichkeit” gesummt. Das war einfach toll. Diese Produktion vermisse ich auch so ein bisschen. Das war wirklich eine tolle Produktion.

A/J: Das klingt wirklich toll. Als nächstes, was sich vielleicht auch schon damit überschneidet, was du gerade erzählt hast, was ist dir in den letzten Jahren besonders in Erinnerung geblieben?

G: Was natürlich immer Spaß macht, ist das Freilichttheater, weil es eben eine Abwechslung ist zum normalen Alltag. Wenn man eben raus geht und auch mal die freie Natur wieder sieht. Im Theater ist man ja doch ziemlich “eingesperrt”. Was mir auf jeden Fall auffällt ist, dass die ganzen Theaterleute ein ganz besonderer Schlag Mensch sind und dass sie, ich sag jetzt einfach mal: nicht normal ticken. Wir hatten Bewerbungsgespräche für Azubis und ich sage jedes Mal zu den Bewerbern, “Wenn du den Job machen willst, dann musst du einen kleinen Schlag haben”. Du musst so ein kleines bisschen verrückt sein, weil entweder du liebst das Theater oder du kannst hier nicht arbeiten. Da ist nicht um 5 Uhr Feierabend, sondern wenn um 2 Uhr in der Nacht was ist, kommst du auch hin und schaust, ob alles in Ordnung ist. Das ist vielleicht so dieses Grundthema, dass man das eben nicht als normalen Job sehen kann. Es ist eine Berufung, kein Beruf. Das musst du lieben oder du kommst nicht klar damit.

A/J: Das ist doch mal ein schöner Abschluss. Dann danke dir für deine Zeit!

G: Bitteschön. Gerne!

Theater an der Rott Eggenfelden